Tour-Tagebuch
SIMON MICHAEL a real treat für Mädels und Damen!
Geschrieben am 03.11.2007 13:41 für Kaiserslautern, KammgarnIch bin mir sicher, dass ich irgendwann nicht im Bett sterben werde, sondern auf der Bühne. Gestern habe ich schon mal einen Blick ins Valhalla werfen dürfen. Bei jeder Muskelbeugung will der entsprechende Muskel nicht mehr zurück in seine Ausgangsstellung, sondern verkrampft sich. Sauerstoffschuld nennt man das. Am Alter kann es ja nicht liegen. Der ganze Körper schreit: „Aufhören, aufhören!“ Aber meine Augen sehen hunderte Menschen, die wie ich die Erschöpfung im Blick haben und dennoch das Letzte aus sich herausholen, um uns anzufeuern. Und dann sehe ich ungläubig mir selbst zu, wie ich wieder auf und nieder hüpfe und den Schmerz ignoriere. Wahrhaftig ein Tanz auf dem Vulkan! Ach, es wird ein süßer Tod sein!
Der Tag beginnt mit einer technischen Panne. Das hauseigene Rigg (rechteckige Aluminiumkonstruktion aufgehängt an 4 Motoren unter der Bühnendecke), das wir heute verwenden, wurde heruntergefahren und mit unserem Licht bestückt. Leider lässt es sich anschließend nicht mehr hochfahren, da einer der Motoren den Geist aufgegeben hat. Vier Tonnen Material hängen jetzt in Brusthöhe über der Bühne. Die drei Fachleute im Blaumann, die von der Firma gekommen sind, die das System in die Halle geschraubt haben, sind offensichtlich auch nicht auf der Höhe der aktuellen Informationslage. Vier Stunden vergehen, das Konzert steht vor der Absage und die liebe Veranstalterin Angelika, die ohnehin immer kurz vorm Hyperventilieren ist, ist kaum noch zu beruhigen. Bei aller Aufregung hat sie aber ihren Laden perfekt im Griff und ist ein wahres Organisationstalent! Um 15.30 Uhr fährt das Rigg dann doch noch unter die Decke.
Apropos: Ihr Pfälzer habt Euch bestimmt schon einmal gefragt, wer diese äußerst blumig formulierten Konzertankündigungen in der Kammgarnzeitung schreibt. Angelika selbst ist es, mit ihrer lyrischen Ader. Für alle, die keinen Zugang zu dieser Zeitung haben, hier mal ein Zitat aus der SUBWAY Ankündigung: „Und dann: Dieser Drummer: In Erscheinung, Statur, Präsenz und Charme wie der Elfenprinz Legolas, von göttlicher Eleganz. Spielt, jongliert, beherrscht, bezaubert die Drumsticks, wie der Elf das mit Pfeil und Bogen macht. Begnadet an all sorts of Trommeln und Percussions. SIMON MICHAEL a real treat für Mädels und Damen!“ Oha! Noch eine Kostprobe gefällig?: Zu Coppelius: (Zitat) ...von wolven wild bis verführerisch sanft. Balrog-Drums. Schreckenshymnen. Düster drohende Stimmen ...“ Herrlich was?!
Zu allem Überfluss müssen wir Jan, unseren Lichtmann, ins Bett stecken. Sein Auge ist entzündet und er hat hohes Fieber. Er tritt aber heldenhaft zur Show an und bekommt passender Weise nach dem Konzert einige spontane Komplimente für sein Licht. Das kommt auch nicht jeden Tag vor und ist natürlich umso schöner, in solch einer Situation. Hat er sich verdient!
Genug für heute. Als Tipp an all jene, die gestern draußen bleiben mussten, weil die Kammgarn restlos ausverkauft war: kümmert Euch rechtzeitig um Karten für das Konzert in Losheim. Das ist wohl nicht so weit weg von Lautern.
Eric Fish