Champagner und Hechtsuppe!

Geschrieben am 07.11.2007 13:22 für Hannover, Capitol

So eine Sch....!!! Der freie Tag hat der bazillulösen Kontamination, der man in im Tourneebusumfeld nicht entgehen kann, Raum und Zeit gegeben, sich zu manifestieren. Da ist er nun, der Schnupfen, der Husten, der Schmerz in den Bronchien. Das alles wäre halb so wild, wenn es sich nicht sofort auf die Stimme legen würde. Dazu das Wetter wie aus einer Erkältungsgegenmittelwerbung. Die ersten zehn Tourtage hatte ich null Probleme und dann geht es ausgerechnet nach einem „Erholungstag“ los. Verdammt!
Das Capitol hatte einstmals eine der größten Bühnen, die wir bespielt haben. Heutzutage wird sie fast zu klein. Nach oben ist Platz ohne Ende. Aber an den Seiten ist Millimeterarbeit nötig, um den Groundsupport hinzubasteln. Dadurch gleicht der Bühnenaufgang einem Schlängelparcours. Männer mit Bierbauch hätten keine Chance (Gibt es ja aber bei uns nicht!) und die Backliner haben ein ernstes Problem mit Instrumentenwechseln und Zureichungen. So beginnt der Soundcheck spät und selbiger dauert auch noch länger als gewöhnlich, da die Halle durchaus ihre akustischen Tücken hat, die Jochen sozusagen studieren muss. Um das mal zu erklären: Es gibt immer die zwei Seiten des Soundchecks. Wie klingt es draußen und wie hören wir uns auf der Bühne. Im Capitol besteht ein gravierender Unterschied darin, ob Menschen im Saal sind oder nicht. Die Halle schluckt den Schall nicht, sondern wirft ihn zurück auf die Bühne. Ergo können wir nur mit Hilfe unserer Erfahrungswerte extrapolieren, um festzulegen, was zu tun ist. Ebenso geht es dem Frontmixer. Passender Weise hat Ben, der Produktionschef heute ein T-Shirt an, auf dem die definitive Rock’n’Roll Formel steht: E = mc2 +/- 2dB. Die Coppelianer müssen ihren Soundcheck leider abbrechen, weil die Türen aufgehen und sind darob recht ungehalten, aber – cest la vie.
Ich gebe zu, dass ich während des Konzertes ganz schön mit mir selbst zu tun hatte. Da ist eine gewisse Angst und auch viel mehr nervliche Anspannung, wenn die Stimme nicht läuft wie geölt. Man denkt schon einige Takte vor schwierigeren Stellen wie zum Beispiel dem C-Part von „Feuerland“ daran, ob man sie wohl hinbekommen wird. Zu allem Überfluss bläst uns die perfekte Lüftung auf unsere nassen Körper. Das zieht wie Hechtsuppe! Kann mir irgendwer sagen, wo dieser Ausdruck herkommt? Sei es drum ... Ich hoffe, es fiel niemandem auf. Ich habe am Ende jedenfalls rechtschaffend das Gefühl, alles gegeben zu haben und dasselbe darf das Publikum von sich behaupten. Ich habe mich besonders über ein, mit viel Liebe und in Handarbeit angefertigtes Banner gefreut, das unser altes Logo, den Stierkopf, zeigte. Super Leute!
Besonderes Vorkommnis: Bodenski hat Geburtstag und von Kuchen über Sekt, Wein, Weib und Gesang wird ihm alles geboten. Alles Gute!

Eric Fish