Ein Mann namens Cassler ...

Geschrieben am 22.12.2007 13:54 für Kassel, Musiktheater

Wir haben Kasel lange gemieden. Aus unerfindlichen Gründen, wie sich im Laufe des Abends herausstellen soll. Der Laden ist im Vorfeld schon fast ausverkauft und 1000 Menschen sind ja nun auch kein Pappenstiel. Schön mal wieder hier zu sein. Doch der Reihe nach.
Eines unserer frühen Konzerte in Kassel (im SPOT damals) wurde ja schwarz mitgeschnitten von irgendeinem geschäftstüchtigen „Fan“ und dann unter dem Titel BRENNE als Bootleg vertrieben. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Exemplare davon inzwischen verkauft worden sind. Jedenfalls beinhaltet diese CD eine legendäre Ansage von mir, der ein ebenso legendärer Irrtum meiner selbst zu Grunde liegt. Dazu aber später.
Das Wetter lädt zum Wandern ein. Zwar ist es bitter kalt, aber die Sonne lacht uns so hell. Also schrecken mich die paar Kilometer bis in die Stadt nicht. Eigentlich ist es Horror, wie sich die Menschenmassen in Zehnerreihen durch die Einkaufscenter schieben. Aber irgendwie geht es dennoch nicht hektisch, sondern gelassen und höflich zu. Bemerkenswert!
Ich schlendere über den Weihnachtsmarkt auf der Suche nach einem ganz bestimmten Gericht. Womit wir bei vorerwähntem Irrtum wären. Ich suche nämlich eines meiner Lieblingsessen: Kassler mit Sauerkraut. In dem Glauben, dass der Kassler natürlich aus Kassel stammen müsste, machte ich dazumal die Ansage: „Willkommen in der Stadt meines Lieblingsessens“. Spätestens heute, da ich an einer Imbissbude nach der anderen schnuppernd vorbeidefiliere, alles findend, vom Döner bis zum Chinamann, aber keinen Kassler, dämmert mir, dass da was mit meiner Theorie nicht stimmen kann.
Zurück im Musiktheater recherchiere ich sofort, was es denn nun eigentlich auf sich hat mit dem Kassler und siehe da, ich bin verblüfft! Anfang des vergangenen Jahrhunderts erfand ein Berliner Fleischermeister namens CASSLER das nach ihm benannte Gericht. Man lernt nie aus. Kein Wunder, dass es in Kassel keinen Kassler gibt.
Wie anfangs erwähnt: der Laden ist rappelvoll und es verspricht heiß zu werden. An der Decke neben dem Tresen läuft auf einer Beamerleinwand in einer Endlosschleife ein Werbefilmchen für eine mittelalterliche Tanznacht. Ein Witzbold hat sich dazu die Ballsaalszene aus dem berühmten Film „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ herausgeschnitten und so drehen sich allenthalben die Paare im Tanze, während wir die härtesten Nummern dazu spielen. Beim „Puppenspieler“ passt das ja noch irgendwie. Aber spätestens bei „Unentdecktes Land“ wirkt die Szene grotesk und provoziert einen Lachkrampf in mir, den ich nur mit großer Mühe beherrschen kann. Ein sehr, sehr schönes Konzert, tolles Publikum – als ob wir nie lange weg gewesen wären.

Eric Fish