Tour-Tagebuch
Ein lehrreicher Tag
Geschrieben am 30.04.2009 12:23 für München, MuffathalleDies war ein sehr lehrreicher, informativer Tag! Bei herrlichem Sonnenschein erlaufe ich mir die Stadt. Angefangen von den Promenaden an der Isar, wo sich auf den Kiesbetten des Flusses die Familien aalen, als wären sie an der cote azur, über die eindrucksvolle St. Lukas, hin zum Touristenzentrum. Hofbräuhaus usw. Abgesehen von den Touristenmassen, komme ich nicht umhin festzustellen, dass ich noch nirgends ein so hohes Vorkommen von Nobelkarossen gesehen habe. Es scheint fast, als machten die alle eine sonntägliche Präsentationsfahrt mit möglichst hoch drehenden Motoren und quietschenden Reifen. Eine andere Welt. Aus der ich mich, einem Rat Simon Michaels folgend, in das Deutsche Museum flüchte. Angenehm kühl und ruhig ist es hier. Das Museum ist eher eine Art Technikausstellung, wobei alle Sparten ausgiebig vorgeführt werden. So fällt es schwer, sich zu entscheiden, in welchem Bereich man sein Wissen aufstocken möchte. Ich beschließe, einfach querfeldein zu laufen, und verweile hier und da wenn mir etwas besonders interessant erscheint. Das kann schon mal ein hochseetüchtiger Einbaum aus Papua Neuguinea sein, oder auch eine Flugzeugturbine im Schnittmodell. Hier habe ich endlich begriffen, wie sich die Tonnen schweren Dinger in der Luft halten können. Es ist schon unglaublich, was Menschen in allen Zeiten erfunden und gebaut haben. Höhepunkt ist aber ganz sicher eine Vorführung in der Elektro – Starkstrom Abteilung. Hier wird gerade die Wirkung eines Faradayschen Käfigs demonstriert: Ein Azubi oder Zivi, ganz glücklich sah er nicht aus, setzte sich in eine Kugel, welche unters Dach gezogen wurde und an die dann 250 000 Volt Spannung gelegt wurde. Ein Lichtbogen von der Kugel zum nächsten Pol, diente als Beweis. Beeindruckend! Kam es mir nur so vor oder standen dem jungen Mann die Haare zu Berge, als er unversehrt seinen Käfig verließ?
Man kommt sich in solch einem Hort des Wissens ganz schön doof vor. Ich tröste mich damit, dass Isaac Newton keine Gitarre spielen konnte, womit wir wieder bei unserer Profession wären.
Nach diesem grandiosen Konzert in Wien, würde es kein Leichtes werden, in der Muffathalle. Und dass es auch so war, beschreibt und bestätigt Euch heute Mal ein Gastschreiber: Simon – Michael Schmitt:
In München beschen mich, man kann fast schon sagen, traditionell, meine Tante und mein Onkel. Diesmal bin ich sogar bei ihnen zuhause zum Mittagessen eingeladen, es gibt lecker Schnitzel und so kehre ich mit vollem Magen rechtzeitig zum Soundcheck zurück. Dieser läuft auch gut, wie eigentlich immer, unserer Crew sei dank. Danach steht ein kleines Fotoshooting von mir und meinem Schlagzeug an, für die kommende Ausgabe der Zeitschrift „Drumheads“. Dann läuft alles wie immer. Die Stimmung ist gut, die Halle voll, es läuft alles prima! Dann folgt die Mitte des Sets und von da an nahm das Unheil seinen Lauf. Es beginnt damit, dass Eric während des Count- Ins zu meinem kleinen Drumsolo vor mir auf dem Riser steht und wild gestikuliert. Was will er mir sagen? Ich komm nicht drauf, werde allerdings davon so aus der Bahn geworfen, dass ich mein Minisolo in den Sand setze. Ist ja auch nicht so schlimm, denk ich mir, und spiele wie gewohnt weiter. Gegen Hälfte des Songs verschlucke ich dann eine Haarsträhne (ohne Witz!). Wild um mich rumröchelnd und mit dem Brechreiz ringend versuche ich diese, unter dem Spielen wieder loszuwerden. Ich spucke in die Luft. So wie immer. Wie tausendmal vorher. Und ich sehe, wie in Zeitlupe, wie meine Spucke in der Luft eine Kerzengrade Laufbahn aufnimmt. Die Strähne hängt mir immer noch im Rachen. Es vergeht eine Sekunde. Dann holt mich meine eigene Spucke ein- und fällt, aus der Luft zurück (Leute, ich sags Euch!) exakt in mein rechtes Auge. Volltreffer! Und so ging es die ganze Show weiter. Alles Kleinigkeiten, alles Dinge von denen Ihr wahrscheinlich, oder, besser gesagt, hoffentlich unten nichts gemerkt habt. Aber glaubt mir: das kann einem echt den Spaß an der Sache etwas vermiesen!
Umso glücklicher bin ich, als mich meine Freundin Katha nach der Show abholt und mich mit nach Hause nimmt. Morgen ist ein Tag Pause, und den wird ich zuhause verbringen.