Tour-Tagebuch
Psyche besiegt Routine
Geschrieben am 29.04.2009 15:37 für Berlin, HuxleysGuten Morgen allerseits! Ich habe kaum geschlafen in dieser Nacht nach dem Berlin Konzert. Komme mir vor wie ein Idiot und möchte immer noch im Boden versinken. Bei Allem, was hier noch zur Sprache kommen wird, will ich doch betonen, dass meine Schlussaussage am Ende der Show, dass es für und das bisher schönste Berlin Konzert war, ganz ehrlich war und von Herzen kam!
Der übliche Erregungsfaktor durch Freunde, Bekannte und Familien fiel gar nicht so ins Gewicht, schon eher die Unterbrechung der abendlichen Vorbereitungsroutine durch einen Besuch von Bodenski und mir bei Radio 1 in der Friedrichstrasse. Luftlinie 4 km, brauchten wir doch hin und zurück eine ganze Stunde. Zum Glück wurde der Beginn etwas verschoben, weil die lange Schlange am Einlass sich nur langsam abbaute.
Es ging auch alles gut los, die Band war fröhlich, der Empfang durch das Publikum begeistert. Und dann nahm das Unheil seinen Lauf! Links von mir fängt eine unter hohem Druck stehende Maschine Feuer und die Männer kommen vom Graben aus nicht an den Brandherd heran. Da ich doch plötzlich Angst bekomme, schnappe ich mir einen CO2 Löscher und versuche, die Flamme von oben zu ersticken, währen dessen singe ich natürlich weiter aber die Konzentration ist weg – und sie kommt auch nicht wieder.Nicht mit Routine und auch nicht mit aller Macht. Das ist das Schlimme. War ich vielleicht vorher schon etwas übermotiviert, so bin ich es erst recht nach diesem Ereignis. Obendrein lasse ich meinen Monitor, auch eher panisch, verändern, und auch das geht völlig nach hinten los. So entsteht dann die Kausalkette aus Ursache und endloser Wirkung. Verkackte erster Song >> verkackte Ansage >> verkackter Einstieg >> Text weg >> unbedingter Wiedergutmachungswille >> erneute immense Übermotivation >> Frust >> Frustbewältigung >> totale Überdrehung. Schnell duschen, ein paar tröstende Worte der Kollegen retten mich vor dem Suizid, und möglichst ungesehen ins Bett. An Schlaf ist nicht zu denken. Ich versuche, die in Masse vorhandenen tollen Eindrücke des Abends Revue passieren zu lassen, doch der Frust auf mich selbst überlagert alles.
Ich bin dennoch froh, dass inzwischen viele Kommentare eingetrudelt sind, die das Ganze nicht so wie ich empfunden haben. Ganz im Gegenteil. Ist halt sehr subjektiv, meine Sicht.
Auf Wiedersehen Heimat!
Eric Fish