Subway To Sally in Spanien Kapitel 1: Madrid

Geschrieben am 15.10.2009 08:23 für Madrid (ES), Sala Caracol

Hallo Freunde,

ich möchte der Tradition genügen, und Euch auf diesem Weg auch an unserem Ausflug auf die iberische Halbinsel teilhaben lassen.

In aller Frühe ging es los am Flughafen Schönefeld. Wir hatten beschlossen, mit so wenig wie möglich Equipment zu reisen, Schlagzeug und Amps vor Ort zu mieten, um alle anderen notwendigen Sachen wie Instrumente und Senderracks, als personengebundenes Gepäck einchecken zu können. Ich erspare Euch die genaue Beschreibung der überaus bürokratischen Prozedur, langwierig und kompliziert und das alles in diversen Abwandelungen auf den anderen Flughäfen. Wenn es nach China geht, machen wir das anders und verbringen das Zeug zentral und unabhängig von uns.
Madrid empfängt uns mit trockener, staubiger Hitze und glücklich ist, wer kurze Hosen dabei hat. Da wir schon sehr zeitig in dem gediegenen Hotel in einem der belebtesten Madrider Viertel einchecken können, bleiben noch ein paar Stunden für eine Erkundungswanderung. Jeder tut das, in Grüppchen oder, wie ich, allein. Fazit: Ich kann zumindest diese Gegend von Madrid nur despektierlich als dreckig, laut, runter gewirtschaftet oder auch als einzige Dauerbaustelle bezeichnen. Irgendwie enttäuschend. Der Club ist sehr schön, etwa 500 er Kapazität und die Leute dort sind nett und kümmern sich echt um uns. Was meine Laune trübt ist die Tatsache, dass wohl am Abend nicht mehr als 100 Spanier die geilste Band der Welt sehen wollen. Ich beschäftige mich die ganze Zeit über mit einigen spanischen Ansagen die ich vorbereitet habe. Das kommt dann auch recht gut an beim Publikum, spätestens als ich den letzten Refrain von „Kleid aus Rosen“ spanisch singe „tost“ der Beifall. Wir spielen ein grundsolides Set und versuchen, Spaß an unserer Musik zu entwickeln, was auch gelingt. Es ist schon, insbesondere für mich als Nahtstelle zwischen Publikum und Band, keine leichte Aufgabe, quasi eine Zeitreise zu bewältigen, zurück zu der Zeit, da es noch normal war, vor 100 Menschen alles zu geben. Letztendlich war es dann doch ein gelungener Abend, doch muss ich dem nicht zu ignorierenden Frustanteil in meinem Bauch Raum geben und mache mich ohne längeres Verweilen auf die Socken, um zu Fuß zum Hotel zu wandern. Dauerte etwa zwei Stunden. Erst hinterher erfahre ich, dass ich wohl quer durch das Drogenviertel Madrids gelatscht sein muss und mich die Einheimischen für bescheuert gehalten haben. Na ja, mir fiel nichts auf und stieß nichts zu. Zwei Stunden in der lauen Nachtluft räumten meinen Kopf frei, so dass ich den nächsten Tag komplett unbelastet angehen kann. Buenos noches!