Futter für die Seele

Geschrieben am 30.12.2009 15:18 für Dresden, Alter Schlachthof

Ein ausgiebiger Spaziergang eröffnet den Tag. Zugegeben, etwas zwangsläufig, da ich einen Zahnarzt aufsuchen musste, aber, der Rückweg entschädigt voll und ganz für die Pein.
Ich verharre auf der alten Elbbrücke und bewundere das Panorama von Elbflorenz. Auf der anderen Seite die gigantischen Pfeiler der parallel verlaufenden Eisenbahnbrücke, die stoisch und ungerührt dem immerwährenden Strom widerstehen. Dann hinunter zum Ufer und das Auge ruhen lassen auf den sich majestätisch, träge dahin wälzenden Wassermassen. Diese unverwüstliche Macht, unterlegt von schlummernder Kraft, die ins unermessliche wachsen kann, diese zeitlose, fließende Beständigkeit, unbeirrt durch die Jahrhunderte gleitend, läutert mich aufs Neue bis ins Mark. In der Gegenwart dieser Großartigkeit fühle ich meine kleine Seele und mache meinen Frieden mit mir. Ich bin glücklich! Langsam gehe ich Hand in Hand mit dem Fluss am Ufer entlang und habe das Gefühl, dass er sich meinen Schritten anpasst, wir sind eins. Alles im Fluss. Schwer fällt die Trennung, doch dankbar ruht mein Blick zum Abschied auf meinem Freund. Er wird noch da sein, wenn ich wieder komme – und auch noch, wenn ich nicht mehr kommen kann.
Aus diesem anhaltend großen Gefühl heraus das beschreiben zu wollen, was sich abends im Schlachthof abspielt, hieße, mit Gott über das Paradies zu streiten. Sofern dies möglich ist, erfährt die Euphorie auch in diesem Jahr noch einmal eine Steigerung. Ein Traum! Nein, kein Traum – wunderschöne Momente, die sich zu bleibenden Erinnerungen manifestieren werden. So erneuert sich jährlich die Liebe zu einer Stadt, ihrem Strom und den Menschen in ihr.

Eric Fish